
©Siegfried Zademack
Ein reicher Händler hatte im Ort viele Neider. Über den Erfolg seiner Geschäfte und über seinen Reichtum wurde in der
Öffenlichkeit viel geredet.Und kein Gerücht machte schneller die Runde, als wenn es den Erfolg oder
Mißerfolg seiner Geschäfte zum Inhalt hatte.
Der Händler fuhr mit seinen Waren zu den großen Märkten der Nachbarorte und bot sie dort an.
Seit einiger Zeit hatte er die Gewohnheit angenommen, am Ende eines erfolgreichen Tages mit düsterer Miene
heimzukehren und abends in seinem Haus kein Licht zu machen. Hatte er an einem Tage keinen sonderlichen
guten Umsatz erzielen können, kam er lachend und fröhlich nach Hause und ließ die Lampen
in allen Räumen brennen.
Sein bester Freund, der mit den Vorgängen im Geschäft gut vertraut war, fragte ihn nach einiger Zeit: "Erkläre mir,
warum du an schlechten Tagen fröhlich bist und dein Haus hell erleuchtest und an guten Tagen dich genau
gegensätzlich verhälst? Erst habe ich gedacht, das sei nur eine spontane Idee von dir. Aber jetzt
treibst du es schon seit Wochen so."
Grinsend sagte der Händler: "Dir will ich gerne mein Geheimnis verraten. Du weißt doch, wie neidisch
und schadenfroh all die Klatschmäuler hier im Ort sind. Und ich wollte mich nicht länger doppelt ärgern,
nämlich darüber, daß das Geschäft an manchen Tagen schlecht gelaufen ist, und noch zusätzlich über die Spötter, die
sich über meinen schlechten Tag auch noch das Maul zerreißen. Vor Wochen faßte ich den Entschluß, der
mir meinen Seelenfrieden wiedergegeben hat.
Wenn ich nach einem guten Geschäft nach Hause komme, dann mache ich kein Licht an, denn ich bin froh und glücklich. Also
sollen auch meine Feinde und Neider glücklich sein, indem ich sie denken lasse, daß ich einen
schlechten Geschäftstag hatte.
Wenn ich aber an einem Tag wenig Erfolg hatte, und ich schlechte Laune habe, dann lasse ich mein Haus hell und freundlich
erscheinen. Das hebt meine Stimmung, vor allem weil sie draußen jetzt denken, daß ich viel verdient habe
und sich nun darüber ärgern."
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